
Warum dein hochsensibles Nervensystem Bewegung liebt
Viele hochsensible Frauen kennen dieses Gefühl der tiefen Erschöpfung – und gleichzeitig dieses lähmende Gefühl, sich kaum aufraffen zu können.
Bewegung wirkt dann oft wie ein zusätzlicher Stressfaktor.
Doch genau hier liegt ein kleines, aber feines Missverständnis: Die richtige Art von Bewegung kann dein Nervensystem entlasten, statt es noch mehr mit Ballast zu überfordern.
Deine Erschöpfung verstehen: Schutzmodus statt Stillstand
Erschöpfung bedeutet nicht immer, dass du weniger tun sollst. Manchmal bedeutet es, dass dein Nervensystem in einem der folgenden Modi feststeckt:
Fight-Modus: wenn alles zu viel ist und außer Kontrolle gerät
Kennst du das Gefühl, wenn dich alles nervt und zu viel ist. Und dann gibt es diesen einen Moment und du „explodierst“. Obwohl du sonst eine eher ruhig und zurückhaltend bist.
So als würde all dein „zu viel“ sich in einem Wutanfall mit unkontrollierbaren Worten und Tränen seinen Weg nach Außen suchen. Für dein Umfeld und dich schwer zu verstehen. Doch biologisch eine normale Reaktion deines Nervensystems, wenn es sich bedroht fühlt. Und das kann manchmal auch schon ein doofer Spruch oder eine Kleinigkeit sein, die das Fass dann zum Überlaufen bringt.
Flight-Modus: wenn alles zu viel wird und Flucht die einzige Option ist
Kennst du dieses Gefühl?
Egal, ob du den Raum wechselst oder dich in Tagträumereien, Bücher etc. flüchtest. Hauptsache weg vom Geschehen.
Der Job-Alltag in unserem Großraumbüro ist so ein klassisches Beispiel für genau dieses Gefühl: Der dauerhafte Geräuschpegel des Stimmen-Wirrwarrs. Die merkwürdige Stimmung, die schon den ganzen Morgen durchs Büro wabert. Das Stresslevel vom Arbeitsweg in der überfüllten Bahn….
Irgendwann kann ich die Stimme nicht mehr ignorieren und verkrümle mich aufs Klo. Dort ist es leise. Dort gibt es eine Wand, an die ich mich anlehnen kann. Dort kann ich für einen Moment durchatmen.
Mein schlechtes Gewissen versuche ich dann zu besänftigen mit den Worten „Mein Nervensystem ist im Alarmmodus. Es braucht grade einen Raum der ohne Reize ist und sich sicher anfühlt.“
Freeze-Modus: Wenn dein Nervensystem in Schockstarre verfällt und keine Reaktion mehr möglich ist
Es gibt Momente, in denen kannst du weder flüchten, noch dich aktiv zur Wehr setzen. Wenn diese Momente länger anhalten, beginnt von innen heraus eine Art des Einfrierens.
Kennst du das Gefühl, wenn du nichts mehr so richtig wahrnimmst? Der blöde Kommentar des Kollegen perlt an dir ab, als wärst du ein Lotusblatt. Der schöne Ausblick aus dem Fenster, der dir sonst ein Lächeln ins Gesicht zaubert – nicht erwähnenswert. Und irgendwie hast du das Gefühl innerlich zu frieren – regelrecht eingefroren zu sein. Obwohl es im Büro warm ist.
Alles Anzeichen für den nächsten Schutz-Modus deines Nervensystems: dich und deine feinen Antennen einfrieren, damit nicht noch mehr Reize dein überfordertes System fluten.
Fawn-Modus: Wenn dein Nervensystem sich anpasst, um Sicherheit und Verbindung zu bewahren
Vermutlich hast du diesen Modus noch nicht gehört. Aber kennst du das Gefühl: du bist freundlich, sagst häufig ja… nur um keine Disharmonie oder Spannung zu erzeugen. Obwohl alles in dir sich gegen die Situation sträubt? Und du gleichzeitig spürst „Ich will dazugehören und bloß keinen Stress.“
Hochsensible Frauen tragen häufig die Maske „des perfekten Funktionierens“
Zum einen, um zu gefallen und dazu zugehören. Zum anderen, um keine Disharmonien für ihr feinfühliges Nervensystem zu erzeugen. Aber genau dieses Funktionieren erzeugt Spannung im eigenen System und die innere Erschöpfung beginnt zu wachsen.
Vielleicht erkennst du dich in dem oder anderen Schutz-Modus wieder. Doch statt dich zu verurteilen, lass uns gemeinsam überlegen:
Wie du aus dem Schutzmodus deines Nervensystems wieder aussteigen kannst
Auch hier kann Bewegung dir helfen, dich daraus zu befreien. Damit du wieder in den Fluss – in deine Lebensenergie kommst.
Als hochsensible Frau und Läuferin hatte ich viele Tage – besonders zu früheren Marathonvorbereitungsphasen – in denen ich mich zu müde fühlte, um laufen zu gehen.
Doch wenn ich mich sanft bewegte und den Einstieg sanft und mit kleiner Hemmschwelle hielt, veränderte sich meine Energie.
Ich spürte, wenn ich ganz ohne Leistungsdruck oder Zielzeiten mein Training an meinen aktuellen Energiepegel anpasste, schenkte mir die Bewegung meinem Nervensystem und meinem Körper Enregie.
Kleiner Praxisimpuls für dich:
Morgens nach dem Wecker-Klingeln bleibe 5 Minuten liegen:
Beginne mit kleinen Bewegungen. Kreise mit deinen Füßen, strecke deine Arme, rolle dich sanft hin und her.
Erst danach stehst du auf, spürst deine Füße bei jedem Schritt auf dem Weg ins Bad … lass deinen Körper das Tempo bestimmen.
Wie fühlt sich Bewegung für dich an, wenn du erschöpft bist – eher unterstützend oder überfordernd?
Schreibe es gern in die Kommentare