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leise erschöpft im Funktionsmodus

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Blog für hochsensible Scanner-Persönlichkeiten

Leise erschöpft im Funktionsmodus

5Uhr. Mein Tag beginnt. Aber mein Kopf und auch mein Körper sind noch nicht wach.

Ich fühle mich gerädert, wie nach einer durchzechten Nacht. Klar denken? Unmöglich, weil sich der Kopf wie mit Watte gefüllt anfühlt.

Routine? Noch nicht ganz. Lediglich der Weg in die Küche, Katzen versorgen und mich danach im Badezimmer startklar für den Tag machen – das ist geblieben.

Der neue Weg zur Arbeit – volle Bahn, viele Gerüche, viele Menschen – Rushhour in der Großstadt. Ich ziehe automatisch die Schultern hoch, um mich zu schützen. Im Büro lächle ich, nicke, merke mir Namen, stelle Fragen. Ich funktioniere. Nach außen läuft alles rund.

Aber abends, wenn die Wohnungstür hinter mir zufällt – würde ich am liebsten zusammenfallen.

Ich reiße mich zusammen. Ich koche, versorge die Tiere, räume weiter Kartons aus, beantworte Nachrichten. Ich halte durch. Ist ja bald wieder Wochenende.

Und auf dem Weg ins Bett – als es still wird um mich – merke ich, wie unendlich erschöpft ich doch eigentlich bin.

Nicht nur die pure Müdigkeit nach einem langen, intensiven Arbeitstag. Sondern diese stille, schwere Erschöpfung, die von innen kommt und sich nur schwer auflöst. Auch nicht mit „früher ins Bett gehen“.

Der Unterschied zwischen Neustart-Energie und Überlebensmodus

In den ersten Wochen nach einem großen Umbruch gibt es oft diese Phase, in der alles „irgendwie“ läuft.

Du stehst auf, du gehst zur Arbeit, du erledigst, was ansteht. Von außen sieht das nach Energie pur aus. Nach Neufang. Nach „sie kommt gut zurecht und lebt sich allmählich ein“

Aber innerlich? Da läuft ein ganz anderer Film. Dein Nervensystem ist auf „Alarmmodus“ im Dauerbetrieb  Es gibt noch keine Routine, die trägt und Halt gibt. Keine vertrauten Momente, in denen du wirklich entspannen und durcharmen kannst.

Alles kostet 100%ige Aufmerksamkeit. Alles verlangt Anpassung. Und du gibst – und gibst – und gibst.

Das fühlt sich wenig nach fluffigem Neustart an. Das ist nur noch Überlebensmodus pur.

Und wenn du genau hin spürst, zeigt es dir dein Körper auch: Da ist dieser ziehende Schmerz im Nacken, der sich nicht löst.

Der Schlaf, der nicht mehr erholsam und tief ist – auch wenn du eigentlich im Stehen einschlafen könntest. Da ist das abendliche Grübeln „Habe ich heute alles richtig gemacht? Was muss ich morgen klären? Warum bin ich so erschöpft, obwohl ich eigentlich den ganzen Tag nur gesessen habe?“

Eine enorme Reizbarkeit, die plötzlich da ist – bei Kleinigkeiten, die dich sonst nicht stören würden. Wie z.B. das Schleck-Geräusch meines Katers beim Putzen. Es macht mich aktuell wahnsinnig, obwohl ich es sonst immer total niedlich fand.

Als hochsensible Frau spüren wir all diese Dinge besonders stark. Wir müssen in solchen Momenten nicht nur die äußeren Anforderungen bewältigen, sondern auch all die Reize, Emotionen, Erwartungen verarbeiten.

Unser System läuft auf 150% – und irgendwann ist da keine Reserve mehr und der Akku leer.

Eine kleine Übung, um deinen Akku aufzuladen

Du brauchst jetzt keine großartigen Lösungen oder schlaue Tipps. Du brauchst winzige Momente, mit dir – in denen du wieder bei dir ankommen kannst. Hier sind zwei Impulse, die dir helfen können:

Gebe dir bewusst die Erlaubnis in deinem Rhythmus anzukommen

Sage dir – laut oder innerlich, morgens vor dem Spiegel oder abends vor dem Einschlafen – einen dieser Sätze:

Ich muss nicht sofort perfekt perfomen und angekommen sein

Es ist okay, wenn ich mich noch fremd fühle

Ich darf erschöpft sein, auch wenn ich aktuell nicht viel schaffe

Diese Sätze klingen simpel. Aber die geben deinem Nervensystem die Erlaubnis, den Druck rauszunehmen. Den Perfektionismus und das innere „Du musst jetzt“ zu unterbrechen und durch ein liebevolles „Du darfst das alles in deinem Rhythmus machen“

Mini-Body-Scan „Wo spüre ich heute Anspannung?“

Nimm dir abends – vor dem Zubettgehen oder auf der Couch – zwei Minuten Zeit. Schließe deine Augen. Spüre, wie sich dein Bauch beim Atmen hebt und senkt und stelle dir eine einzige Frage: „Wo in meinem Körper sitzt heute die meiste Anspannung?“

Vielleicht ist es der Nacken. Vielleicht ist es der Kiefer. Vielleicht spannst du deinen Bauch die ganze Zeit unbewusst an. Du musst nichts lösen. Nur wahrnehmen und spüren.

Und dann ganz sanft – atme drei Mal tief in diese verspannte Stelle hinein. Stell dir vor, wie sich dort mit jedem Ausatmen etwas löst. Nur ein bisschen. Das reicht schon.

Du musst nicht stark sein – du darfst sanft in deinem Rhythmus sein

Wenn du dich in dem leisen Funktionieren wiederfindest, während alles neu ist.

Wenn du nach außen strahlst, aber innen leer bist – dann sei dir bewusst: Das ist kein Versagen. Das ist ein Zeichen, dass dein System überlastet ist.

Das ist vollkommen okay. Du bist okay!

Ich fühle, wie es dir geht.

Als Mentorin und Mutmacherin begleite ich hochsensible Frauen durch genau solche Zeiten. Zeiten, in denen sie im Außen funktionieren müssen, aber innerlich schon erschöpft sind.

In Zeiten, in denen sie sich einen Raum zum Durchatmen wünschen, aber keine Zeit für eine Aus-Zeit haben.

Du darfst Pause machen – und trotzdem weitergehen – in deinem eigenen Rhythmus.

Denn du darfst erfolgreich im Außen und erschöpft im Innen sein. Beides ist wahr. Und beides darf gesehen werden.

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