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Blog für hochsensible Scanner-Persönlichkeiten

Balance finden zwischen Team-Meeting & Mental-Load

Es ist 17Uhr. Ich klappe meinen Laptop zu. Für einen Moment sitze ich einfach nur da. Acht Stunden Einarbeitung liegen hinter mir: neue Software, neue Kolleg:innen, neue Abläufe.

Mein Kopf glüht, wie ein überhitzter Server. Die Namen verschwimmen, die Erwartungshaltung an mich wächst, statt sich zu beruhigen. In meinem Bauch rumort es. Zum einen, weil ich Hunger habe, zum anderen taucht eine Frage auf: „Bin ich zu sensibel? Denke ich zu kompliziert? Habe ich zu hohe Ansprüche?“

Zwanzig Minuten später stehe ich am Bahnsteig im Hauptbahnhof, meine Kopfhörer auf den Ohren und versuche klare Gedanken zu finden – während sich mit mir dutzende Pendler auf den Heimweg machen.

Auf dem Weg vom Bahnhof nach Hause wird der Lärm im Außen immer leiser. Und mit jedem Schritt beginnt auch das innere Chaos ruhiger zu werden. Der Wind pustet mir ins Gesicht und für einen Moment auch meinen Zweifel davon. Es wird leise in mir.

Der Unterscheid zwischen Unsicherheit und Überreizung

In den ersten Wochen im neuen Job fühlt sich vieles zu viel auf einmal an. Fachlich fühlst du dich unsicher, versuchst aber gleichzeitig einen guten Eindruck zu machen. Du merkst dir Namen, Prozesse, Passwörter. Das ist normal.

Aber wenn du hochsensibel bist, läuft parallel in dir noch etwas anderes ab: Dein Nervensystem verarbeitet auch all die „unsichtbaren“ Informationen und das sehr intensiv.

Das Parfum der neuen Kollegin gemischt mit dem Geruch von Druckertoner. Der Straßenlärm der vielbefahrenen Straße vor dem Büro. Das Licht der Schreibtischlampe. Jede Kleinigkeit wird registriert, bewertet, abgespeichert.

Dein System läuft auf Hochtouren – nicht weil du unfähig bist, sondern weil dein Nervensystem einfach mehr wahrnimmt.

Und dann kommt noch die Einarbeitung hinzu: neue Informationen, neue Erwartungen, das Gefühl sich beweisen zu müssen. Das ist keine Schwäche. Das ist eine doppelte Belastung, die oft unsichtbar bleibt. Aber doch mit jeder einzelnen Faser zu spüren ist.

Der Unterschied?

Unsicherheit sagt: „Ich weiß das noch nicht, aber ich lerne“

Überreizung sagt: „Ich kann nicht mehr klar denken und weiß nicht warum.“

Nach der Arbeit fühle ich mich aktuell oft gerädert – so als wäre ich einen Marathon gelaufen. Dabei habe ich „nur“ gesessen. Dann war es wohl doch nicht nur die Einarbeitung allein, sondern die Summe aus neuer Aufgabe und all den anderen Informationen.

3 Fragen für dein Mini-Check-in nach Feierabend

Statt abends direkt weiterzumachen oder dich abzulenken, nimm dir mindestens fünf Minuten für ein kleines Ritual. Drei Fragen, die dir helfen dich selbst besser zu verstehen:

Was war heute zu viel?

Statt: „War der Tag schwer?“

Frage dich: Was genau hat mich erschöpft? Das laute Großraumbüro? Zu viele neue Gesichter auf einmal? Der neue Arbeitsweg in der überfüllten Bahn? Benenne es konkret.

Was hat dir heute gutgetan?

Vielleicht war es die ruhige Mittagspause allein. Oder der kurze Smalltalk mit der netten Kollegin aus dem Nebenbüro. Oder einfach fünf Minuten Zeit, um verträumt aus dem Fenster zu schauen. Auch Kleinigkeiten zählen.

Was brauche ich heute Abend wirklich?

Statt: Wachsende To-do-Listen und Druck noch „produktiv zu sein“.

Frage dich: Was tut mir jetzt gut? Brauche ich Stille? Bewegung? Etwas Warmes zu essen? Ein Gespräch mit einem vertrauten Menschen – oder gerade kein Gespräch? Höre hin, was dein Körper sagt, nicht was du glaubst, leisten zu müssen.

Die Spülmaschine kann auch morgen noch ausgeräumt werden…

Diese drei Fragen sind kein Luxus. Sie sind Selbstfürsorge in Echtzeit.

Du bist nicht zu sensibel – du lebst nur in deinem eigenen Rhythmus

Wenn du im neuen Job ständig zweifelst, ob du einfach „zu sensibel“ bist für die Arbeitswelt – dann lass und gemeinsam sortieren, was dein Nervensystem wirklich braucht.

Nicht, damit du dich anpasst, um besser zu funktionieren. Sondern damit du arbeiten kannst, ohne dich dabei zu verlieren.

Es ist alles okay. Du bist okay!

Ich fühle, wie es dir geht.

Als Mentorin und Mutmacherin begleite ich hochsensible Frauen durch genau solche Zeiten. Zeiten, in denen sie im Außen funktionieren müssen, aber innerlich schon erschöpft sind.

In Zeiten, in denen sie sich einen Raum zum Durchatmen wünschen, aber keine Zeit für eine Aus-Zeit haben.

Du darfst Pause machen – und trotzdem weitergehen – in deinem eigenen Rhythmus als Powerfrau in deinem Alltag.

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