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Blog für hochsensible Scanner-Persönlichkeiten

Die Adventszeit kann für hochsensible Menschen zu einer Achterbahnfahrt der Gefühle werden.

Einerseits nehmen wir die besondere Atmosphäre dieser Zeit sehr intensiv wahr – das warme Kerzenlicht, den Duft von Vanille, Zimt und Tannengrün, die leisen Momente der Besinnlichkeit und Wohlfühlmomente.

Andererseits prasseln gerade jetzt unzählige Reize auf uns ein, die uns schnell an unsere Grenzen bringen können.

Wenn aus Vorfreude Überforderung wird

Ich liebe die Adventszeit. Das Farbenspiel der bunten Lichter, der liebliche Plätzchenduft – der ein Gefühl aus Gemütlichkeit und Kindheit in mir wach werden lässt.

Aber auch das andere Extrem: die überfüllte Stadt, das hektische Gedränge in den Straßen und den Geschäften, gestresste Menschen und ihre Gesichter voller Sorgenfalten.

Als hochsensible Person nehme ich all diese Eindrücke ungefiltert wahr. Ein wahres Feuerwerk für meine Nervenzellen, weil ich all diese Sinneseindrücke tiefer und ausführlicher verarbeite als andere.

Was in der stillen Jahreszeit eigentlich ein Geschenk sein könnte, wird im vorweihnachtlichen Trubel zur Herausforderung.

Denn dieser bunte Mix aus blinkenden Lichtern, Bratwurst-gebrannte-Mandeln-Glühwein-Geruch, ständiger Körperkontakt mit fremden Menschen im Gedränge der Straßen und auf dem Weihnachtsmarkt.

Untermalt wird dieses Potpourri von einer Dauerbeschallung an verschiedenen Weihnachtsliedern und dem nagenden Gefühl der vielen sozialen Verpflichtungen.

Meine persönlichen Erfahrungen

Lange Zeit versuchte ich in der Adventszeit alles „richtig“ und es „allen recht“ zu machen.

Ich wollte keine Einladung ausschlagen, viel von der Stimmung auf den Weihnachtsmärkten „aufsaugen“ um in Weihnachtsstimmung zu kommen. Geschenke sollten perfekt ausgesucht und verpackt und natürlich auch die Plätzchen in einer Vielzahl selbst gebacken sein.

Das Ergebnis? Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, ständiges „genervt-sein“, innere Unruhe statt vorweihnachtlicher Glücksgefühle. Sobald ich abends zur Ruhe kam, vibrierte mein Körper in dem „power-Modus“ weiter, während ich am liebsten vor Erschöpfung geweint hätte.

Die anhaltende Reizüberflutung zeigte sich auf verschiedenen Ebenen: Geräusche und Licht taten mir körperlich weh und wurden unerträglich – freundliche Fragen meiner Lieben fühlten sich wie Angriffe und zusätzliche Belastungen an.

Ich wurde innerlich immer hektischer und gereizter. Obwohl ich mir eigentlich eine besinnliche, schöne Adventszeit wünschte.

Erst als ich lernte, bewusster mit meinen Grenzen umzugehen und mir echte Auszeiten zu erlauben, konnte ich die Adventszeit wieder genießen.

Drei praxiserprobte Tipps gegen vorweihnachtliche Reizüberflutung

1)       Weniger ist mehr – bewusst Reize reduzieren

Gib dir die Erlaubnis, selektiv zu sein. Du musst nicht jeden Weihnachtsmarkt besuchen und nicht jede Einladung annehmen. Wähle bewusst aus, welche Aktivität die wirkliche Freude bereiten. Was fühlt sich für dich gut an?

Meide Stoßzeiten beim Einlaufen und plane Besorgungen zu ruhigeren Tageszeiten.

Auch zu Hause darfst du die Reize herunterfahren: Dimme das Licht, verzichte auf Dauerbeschallung und blinkende Lichterketten. Gönne dir bildschirmfreie Abende. Wenige, dafür aber bewusste Lichter schaffen mehr Atmosphäre als „Festtagsbeleuchtung“ durch unendlich viele Lichterketten und Co.

2)       Rückzugsorte fest einplanen

Deine Ruhepausen sind (überlebens-)wichtig für dich und deine feinen Sinne. Trage sie als feste Termine in deinen Terminkalender ein. Egal, ob es ein täglicher Spaziergang allein in der Natur ist, zehn Minuten Atemübungen oder ein ruhiger Abend zwischen zwei Feiern.

Diese Auszeiten sind kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit für dein Nervensystem.

Kommuniziere offenen in deinem Umfeld, dass du Rückzugszeiten brauchst. Die meisten Menschen reagieren verständnisvoller, als du vielleicht denkst.

3)       Eigene Rituale entwickeln

Kreiere deine persönlichen Adventsrituale , die deine hochsensiblen Sinne nähren statt überfordern. Das könnte das abendliche Anzünden einer Kerze sein, ein paar Zeilen in einem Journal, eine kurze Meditation oder das bewusste Genießen einer Tasse Tee am Fenster.

Solche stillen, wiederkehrende Momente schenken dir Halt und Struktur, erden dich und helfen dir, deinen inneren Raum zu bewahren – auch wenn außen alles glitzert und blinkt.

Deine Hochsensibilität als Geschenk

Hochsensibilität bedeutet nicht, die Adventszeit nur ertragen zu müssen. Mit den richtigen Strategien kannst du die magischen Momente dieser besonderen Zeit intensiv erleben – ohne in die Reizüberflutung zu rutschen.

Deine Fähigkeit, Stimmungen und Details tief wahrzunehmen, ist ein Geschenk.

Es liegt an dir, den Rahmen zu schaffen, in dem dieses Geschenk sich entfalten kann.

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